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Aus der Wissenschaft in die Praxis: Sozialkompetenz von Trainerinnen und Trainern im Spitzensport

Im Oktober fand in Rotenburg an der Fulda die zweite Lehrgangswoche im Rahmen der A-Trainer-Ausbildung des Deutschen Handballbundes statt, in die auch Ergebnisse BISp-geförderter Forschungsprojekte zur Sozialkompetenz von Trainerinnen und Trainern im Spitzensport eingegangen sind.

Unter der Leitung der beiden Projektleiter Prof. Dr. Klaus Cachay (Uni Bielefeld) und Prof. Dr. Carmen Borggrefe (Uni Stuttgart) hatten sich die angehenden A-Trainerinnen und -Trainer bereits im Sommerlehrgang auf der Basis ausgewählter Videosequenzen mit Anforderung der Verständigungssicherung, der Verhaltenssteuerung von Spielern und der Konfliktregulierung beschäftigt.

Im Herbstlehrgang standen nun Aspekte der Gestaltung von Auszeiten, Halbzeitbesprechungen und Spielvorbesprechungen auf dem Programm. Die Trainerinnen und Trainer arbeiteten dabei auch mit eigenen Videosequenzen, die sie im Vorfeld des Lehrgangs aufgezeichnet und im Trainercenter für alle zur Verfügung gestellt hatten. Die Verwendung von Videos erweist sich als ausgesprochen zielführend, wenn es darum geht, auf kommunikative Anforderungen und Probleme in der Trainer-Athlet-Kommunikation aufmerksam zu machen, bei Trainerinnen und Trainern entsprechende Reflexionsprozesse anzuregen und sie sensibel zu machen für unterschiedliche Kommunikationsstrategien, die athleten- und situationsabhängig zum Erfolg führen können.

Bild zeigt Teilnehmer der A-Trainer-Ausbildung des Deutschen Handballbundes A-Trainer-Ausbildung des Deutschen HandballbundesA-Trainer-Ausbildung des Deutschen Handballbundes Quelle Dr. Cornelius Väth (DHB)

Dabei stellt die direkte Konfrontation mit dem eigenen Handeln für die meisten Trainer schon eine große Herausforderung dar, wie Jochen Beppler, Chefbundestrainer für den Nachwuchs im DHB, betont:

Ein ehrliches Feed-Back zu bekommen ist an mancher Stelle sicherlich eine schmerzvolle Konfrontation, aber wenn es zielführend und sensibel transportiert wird, dann ist es tausendmal besser, als drumherum zu reden, und eine Quelle wirklicher Veränderung und Verbesserung.

Beppler hatte selbst als Trainer der U18-Nationalmannschaft an der jüngsten Sozialkompetenzstudie teilgenommen und fungiert zudem als Multiplikator für das Thema innerhalb des DHB. Teilgenommen an der Studie hat auch Christopher Hallmann, Zehnkampftrainer in Ulm, der in seiner Trainingsgruppe u.a. Europameister Arthur Abele betreut und gerade als „Trainer des Jahres“ im Deutschen Leichtathletik-Verband ausgezeichnet wurde. Er bezeichnet das Projekt als „echte Chance, besser zu werden“. Die Konfrontation mit den eigenen Videos und den Aussagen der Athleten hätten ihm enorm geholfen, sein eigenes Trainerhandeln zu reflektieren und auf konkrete kommunikative Anforderungen zu reagieren.

Im Rahmen des Serviceprojekts „Förderung der Sozialkompetenz von Trainerinnen und Trainern im Spitzensport“ wurden insgesamt sieben Trainerinnen und Trainer aus den Sportarten Handball, Turnen und Leichtathletik mit ihren Wettkampfeinheiten begleitet, alle erhielten anschließend ein individuelles Feedback durch die Projektleiter. Es wurden in allen teilnehmenden Verbänden zudem Multiplikatoren im Umgang mit den aus dem Videomaterial erstellten multimedialen Ankern geschult, um den Transfer der Projektergebnisse in die Praxis zu sichern. An den Vorgängerstudien – u.a. einem WVL-Projekt des BISp – hatten bereits 26 Trainerinnen und Trainer teilgenommen, es liegen über 900 Stunden an Videomaterial vor und es wurden anhand ausgewählter Videosequenzen insgesamt 197 Interviews mit den teilnehmenden Trainerinnen und Trainern sowie ihren Athletinnen und Athleten geführt. Damit liegt ein riesiger Fundus an Daten vor, die für die Traineraus- und -fortbildung genutzt werden.
Insbesondere beim Deutschen Handballbund hat man die Bedeutung der vorliegenden Erkenntnisse für die Aus- und Fortbildung von Trainern erkannt und Lehreinheiten zur „Sozialkompetenz“ systematisch in die Angebote des Verbands integriert. Dies betrifft nicht nur die A-Lizenz-Ausbildung, sondern auch andere Formate im Bereich der Nachwuchstrainerfortbildung und der Ausbildung zum European Master Coach.

Die Inhalte stellen eine Bereicherung für die Trainerausbildung dar, weil sie eine Auseinandersetzung mit ganz konkreten Problemen des Trainerhandelns ermöglichen. Das Feedback unserer Trainerinnen und Trainer ist sehr, sehr positiv,

so Michael Neuhaus, Bundeslehrwart des DHB. Auch aus der Sicht der Projektleiter ist die Kooperation mit dem DHB hervorragend und sie zeigt, wie ein nachhaltiger Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis des Sports gelingen kann.