BISp-Symposium "Krafttraining im Nachwuchsleistungssport" erfolgreich durchgeführt
Datum: 22. April 2010
Dass die gezielte Ausbildung von Kraftfähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu anderen sportlichen Aktivitäten kein besonderes Risiko birgt, ist wohl ein wesentliches Ergebnis von zwei Expertisen, die im Rahmen des Symposiums "Krafttraining im Nachwuchsleistungssport" am 14. April 2010 in Bonn vorgestellt und diskutiert wurden. Die Expertisen waren im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) von einer Arbeitsgruppe um Professor Petra Platen (Ruhr-Universität Bochum) und Professor Ulrich Hartmann (Universität Leipzig) sowie von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professor Joachim Mester (Deutsche Sporthochschule Köln) erstellt worden.
v. l. Professor Ulrich Hartmann (Universität Leipzig) im Gespräch mit dem Direktor des BISp, Jürgen Fischer
Ausgangspunkt für die Erstellung der beiden Expertisen war, dass Krafttraining im Nachwuchsleistungssport lange Zeit, vor allem im deutschsprachigen Raum, umstritten war. Mediziner warnten vor den Folgeerscheinungen, die vor allem vor und während der Pubertät in Zusammenhang mit Überlastungen des Bewegungsapparates auftreten könnten. Vor allem aus dem amerikanischen Raum vorliegende Hinweise auf zahlreiche positive Effekte von Krafttraining mit Heranwachsenden gingen zumeist nicht in nationale Wissensbestände über. Mit den Expertisen konnten nunmehr die national und international verfügbaren Erkenntnisse und offenen Forschungsfragen zum Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen gezielt und umfassend zusammengetragen, systematisch ausgewertet und für die deutsche Sportwissenschaft und Sportpraxis verfügbar gemacht werden.
Als wohl wesentliche Ergebnisse sind festzuhalten, dass die gezielte Ausbildung von Kraftfähigkeiten bei Heranwachsenden möglich ist und diese kein besonderes Risiko im Vergleich zu anderen sportlichen Aktivitäten birgt.
Die Wirksamkeit eines Krafttrainings auf die Muskelkraft, die über das Maß der natürlichen, entwicklungsbedingten Kraftsteigerung hinausgeht, kann mit Hilfe des durch die Expertisen vermittelten Überblicks als gesichert angenommen werden. Dies gilt unabhängig von Geschlecht und Alter der Aktiven, so dass heute davon ausgegangen werden muss, dass auch Kinder in jedem Alter maßgeblich von einem Krafttraining profitieren können.
Es sind zudem weitreichende positive Effekte auf die Gesundheit durch Krafttraining möglich. Diese Wirkungen betreffen den gesamten Organismus und sind nicht nur im Leistungssport sondern ebenso für die allgemeine Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen in einer zunehmend von Bewegungsarmut geprägten Gesellschaft wichtig. Hierzu zählen Verbesserungen des Knochenwachstums, der Körperzusammensetzung, der Leistungsfähigkeit von Muskulatur und Herz-Kreislaufsystem, der psychische Stabilität bis hin zur Prävention von z.B. Stoffwechsel und Gefäßerkrankungen.
Zur Nutzung des positiven Potenzials muss allerdings eine fachkundige Anleitung und adäquate Anpassung des Krafttrainings an die individuellen Entwicklungsvoraussetzungen der Kinder und Jugendlichen - vor allem in Phasen eines beschleunigten Längenwachstums - vorausgesetzt werden. Auch sind die unterschiedlichen möglichen Zielsetzungen, von der allgemeinen Entwicklung der Basiskraft zur Prävention über die sportliche Belastbarkeitssicherung bis hin zur spezifischen Steigerung der Wettkampfleistung, unbedingt bei der Trainingsgestaltung zu berücksichtigen. In vielen Sportarten existiert hierzu umfassendes Erfahrungswissen, auf das bei der Zusammenstellung dosierter, kontrollierter und gleichzeitig attraktiver Trainingsinhalte zurückgegriffen werden kann und derzeit auch fast ausschließlich zurückgegriffen werden muss.
Denn obgleich die Wirksamkeit von Krafttraining für die Muskelkraft und die Gesundheit über die Expertisen weitgehend unstrittig ist, ist die Zahl der aktuell unbeantworteten Fragen ungleich größer. In diesem Sinne wird das BISp zukünftig einen Schwerpunkt seiner Arbeit gemeinsam mit den Partner im WVL auf die wissenschaftliche Unterstützung der Sportpraxis in Bezug auf das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen durch gezielte Forschungs- und Transfermaßnahmen legen.
Die beiden vorliegenden Expertisen können über den Buchhandel oder den Verlag erworben werden.
Die verantwortliche Fachgebietsleiterin, Dr. Andrea Horn
Direktor des BISp Jürgen Fischer und Bürgermeisterin der Bundesstadt Bonn, Angelica Kappel
Teilnehmer des Symposiums "Krafttraining im Nachwuchsleistungssport"
Weitere Teilnehmer des Symposiums "Krafttraining im Nachwuchsleistungssport"
Direkt im Anschluss an das Symposium "Krafttraining im Nachwuchsleistungssport" wurde durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Zusammenarbeit mit der in Peking ansässigen "Chinese Health Qigong Association" eine kostenlose Qigong-Einführung angeboten.
Zwei von der "Chinese Health Qigong Assocication" ausgewählte Experten erläuterten im Rahmen einer Kurzpräsentation Hintergründe, Merkmale und Effekte zum Qigong und stellten anschließend praktische Übungen (wie z.B. das "Wu Qin Xi") vor.
Weitere Informationen zu "Qigong (pdf 100-KB)".
Professor Wang Zhen (Shanghai Institute of Physical Education) bei der Qigong-Einführung
v. l. Professor Wang Zhen (Shanghai Institute of Physical Education), Direktor des BISp, Jürgen Fischer und Professor Yu Dinghai (Shanghai Institute of Physical Education)
