Bundesinstitut für Sportwissenschaft



Pressekonferenz zur Studie "Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball"

Datum: 12. Oktober 2006

Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) präsentiert Studie:

„Die Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball - Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Reaktion“

Dieses Bild zeigt das Podium bei der Präsentation am 12.10.2006von links: Thomas Schneider, Dr. h.c. Alfred Sengle, Prof. Dr. h.c. Georg Anders, Jürgen Fischer, Prof. Dr. Gunter A. Pilz

Jüngst sind wieder rassistische Ausfälle gegen dunkelhäutige Profis in Stadien von Fußball-Bundesligisten aufgetreten. Dennoch: „Dieser offene Rassismus ist eher zur Ausnahme geworden. Durch intensivere Gegenmaßnahmen hat eine Verlagerung des verbalen Rassismus in das Umfeld der Stadien und in die unteren Ligen stattgefunden“, meinte Prof. Dr. Gunter A. Pilz (Hannover), der sich im Auftrag des Bundesinstituts für Sport­wissenschaft mit einem Kreis von Wissenschaftlern seit Anfang 2004 intensiv mit der Szene der Ultras befasst hat.

Dieses Bild zeigt Professor Dr. Gunter A. Pilz bei der Präsentation am 12.10.2006Professor Dr. Gunter A. Pilz

Auf die verstärkte Sanktionierung des Rassismus reagieren Ultras und andere Fußball-Fans mit einer Codierung der verbalen Ausfälle. Sexismus und Angriffen auf Homosexuelle dagegen würden in unveränderter Stärke ausgelebt. „Rassismus wird niemals ein Thema sein, dass man völlig im Griff haben kann, sondern wir müssen kontinuierlich dagegen arbeiten“, betont Prof. Pilz. Deutlich geworden sind in der Studie auch weiterhin bestehende Unterschiede zwischen den ost- und westdeutschen Fußball-Fans. In den neuen Bundesländern leben die Ultras ihre rassistischen und fremdenfeindlichen Gefühle – sofern vorhanden – offener aus.

Ultras sind Fans, die sich extrem für ihren Lieblingsverein begeistern und ihn zum Lebensmittelpunkt erheben. Sie sind keine Hooligans. Nur ein kleiner Teil besitzt eine gewisse Gewaltbereitschaft. Der Großteil zeigt sich allerdings bei Polizei-Einsätzen solidarisch und wendet dann ebenfalls Gewalt an.

„Die Ultras sind eine neue Entwicklung. Das Wichtigste an der Studie ist, dass sie uns auch Gegenstrategien empfiehlt“, sagte Jürgen Fischer, Direktor des BISp bei der Präsentation der Ergebnisse der Studie im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Berlin am 12. Oktober 2006.

Die Untersuchung befasste sich in drei Teilstudien mit dem Thema „Die Wandlung des Zuschauerverhaltens im Profifußball – Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Reaktion“.

Dieses Bild zeigt das Forschungsteam bei der Präsentation am 12.10.2006Forschungsteam, von links: Victoria Schwenzer, Sabine Behn, Prof. Dr. Gunter A. Pilz, BISp-Direktor Jürgen Fischer, Franciska Wölki. Es fehlen Prof. Dr. Werner Steffan und Andreas Klose.

Die Kultur der Ultras wurde durch Prof. Dr. Pilz/Franciska Wölki. M.A. (Hannover) analysiert, die Schnittstelle zwischen Polizei und Sozialarbeit durch Dipl.-Soz. Andreas Klose/Prof. Dr. Werner Steffan (Potsdam) erforscht und den genauen Blick auf das rassistische, fremdenfeindliche und rechtsextreme Zuschauerverhalten richteten Sabine Behn M.A./Victoria Schwenzer M.A.

Dieses Bild zeigt Thomas Schneider, Deutsche Fußball Liga, bei der Präsentation am 12.10.2006Thomas Schneider, Deutsche Fußball Liga


Die Ergebnisse der Studie haben bereits Eingang in das Sicherheitskonzept der Polizei für die im Sommer beendete Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland gefunden. Auch die Koordinierungsstelle (KOS) der Fanprojekte innerhalb der Deutschen Sportjugend um ihren früheren Leiter Thomas Schneider berücksichtigte die Resultate. Thomas Schneider und Dr. h.c. Alfred Sengle als Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berichteten in Berlin über ihre Erfahrungen während der Fußball-Weltmeisterschaft.

Dieses Bild zeigt Dr. h.c. Alfred Sengle bei der Präsentation am 12.10.2006Dr. h.c. Alfred Sengle, Deutscher Fußball-Bund

Besonders für den Deutschen Fußball-Bund bringen die Untersuchungen Schwieriges zu Tage. Denn neben der Polizei und auch den Medien gehören die Verbände wie DFB, FIFA und UEFA zu den Feindbildern der Ultras. Ihr Verhalten wird beständig mit großer Skepsis betrachtet und meist radikal verurteilt.

Dieses Bild zeigt Zuschauer bei der Präsentation am 12.10.2006von links: Bernd Schiphorst, Präsident Hertha BSC Berlin; Bundestagsabgeordnete Bernd Heynemann und Klaus Riegert, Mitglieder im Sportausschuss des Deutschen Bundestages

Die Studie schlägt einen Maßnahmen-Katalog vor, der besonders im Bereich Rassismus intensiv ausfällt. Die Gegenstrategien reichen von regelmäßigen Schulungen für Ordner und Sicherheitsbeauftragte über die Durchführung eines Aktionstages für Toleranz und Respekt bis hin zur Schaffung einer hauptamtlichen Stelle zum Thema „Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“.

Die Studie ist veröffentlicht als Band 114 der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag Karl Hofmann bezogen werden.

Verlag Karl Hofmann
Postfach 1360, 73603 Schorndorf
Telefon: 07181 / 402-125,       Fax: 07181 / 402-111
E-Mail: hofmann@hofmann-verlag.de
Website des Hofmann-Verlags

 

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