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Bericht zum 6. BISp Symposium 2017: Zwischen Sportplatz und Labor – Universitäten als Partner des Spitzensports

Datum 24. März 2017

Unter dem Thema "Zwischen Sportplatz und Labor – Universitäten als Partner des Spitzensports" führte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) bereits zum sechsten Mal ein Symposium in der Reihe "Theorie trifft Praxis" durch. Knapp 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Spitzensportpraxis, aus Spitzenverbänden, Hochschulen und weiteren wissenschaftlichen Unterstützungseinrichtungen konnten am 13. und 14. März 2017 im SportCentrum Kamen-Kaiserau begrüßt werden.

Jürgen Fischer, Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, eröffnete das Symposium und begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er erläuterte, dass einige Neustrukturierungsprozesse bereits in der Umsetzungsphase seien, ließ aber auch nicht unerwähnt, dass über die Weiterentwicklung des Wissenschaftlichen Verbundsystems Leistungssport (WVL) noch diskutiert würde. In seinen Ausführungen machte der Direktor des BISp deutlich, dass eine qualitativ hochwertige wissenschaftliche Unterstützung für einen international konkurrenzfähigen deutschen Spitzensport unverzichtbar ist. Dabei hob er die Bedeutung von Kompetenzverbünden zwischen den universitären Partnern, den Spitzenverbänden bzw. dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und weiteren Einrichtungen im Spitzensport wie z.B. OSPs und IAT / FES als entscheidend für eine adäquate wissenschaftliche Unterstützung hervor.

Ministerialdirektor Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Bundesministerium des Innern (BMI), lobte in seinem Grußwort das Konzept der Veranstaltung "Theorie trifft Praxis" sowie das diesjährige Tagungsthema und war erfreut über die hohe Nachfrage. Er berichtete ebenfalls zum noch nicht abgeschlossenen Reformprozess und seinen Vorstellungen zur Neuaufstellung des WVL. Dabei sei insbesondere mehr Wettbewerb im System notwendig und dass die Interessen und Bedarfe der Athletinnen und Athleten sowie der Trainerinnen und Trainer im Zentrum der wissenschaftlichen Unterstützung stehen und Kernkompetenzen im WVL gestärkt werden. Die herausragenden Bedingungen am Wissenschafts- und Technologiestandort Deutschland müssten für den Sport deutlich besser genutzt werden. Die Erwartungen und Bedürfnisse der Verbände seien zudem stärker bei der wissenschaftlichen Unterstützung zu gewichten als bisher. Insgesamt sei die Nutzung von Netzwerken und damit einhergehend die Bündelung von Kompetenzen bei der wissenschaftlichen Unterstützung des Spitzensports unabdingbar, wenn auch die Herausforderungen für den Aufbau solcher Netzwerke und deren Koordinierung in solch einem komplexen System wie dem WVL groß seien.

Prof. Dr. Bernd Strauß (Universität Münster) illustrierte und analysierte in seinem Vortrag zur Netzwerkbildung aus Sicht der Wissenschaft die Situation der Sportwissenschaft in Deutschland sowie Optimierungsmöglichkeiten zur Unterstützung des Spitzensports seitens der Sportwissenschaft. Um einen leistungssportorientierten Hochschulstandort gewährleisten zu können, sind seiner Meinung nach bestimmte Rahmenbedingungen zu schaffen. Neben der ausgewiesenen wissenschaftlichen Exzellenz sollte der Leistungssport ein Teil der strategischen Profilbildung der Hochschule bzw. der Sportwissenschaft darstellen. Des Weiteren sei eine enge Zusammenarbeit mit den Verbänden und dem DOSB, aber insbesondere auch mit den Wissenschaftskoordinatoren der Spitzenverbände  notwendig. Zudem erläuterte er, dass Vernetzungen mit nahegelegenen OSPs, Bundes- und Landesleistungsstützpunkten sowie leistungs-/spitzensportorientierten Vereinen erfolgen sollte.

In der Funktion als Bundestrainer Wissenschaft und Bildung des Deutschen Hockey-Bundes berichtete Uli Forstner aus dem Blickwinkel der Praxis über die Netzwerkbildung. Dabei illustrierte er anhand persönlicher Erfahrungen sowie seiner Expertise aus dem Deutschen Hockey-Bund, wie wichtig es heutzutage für die Trainer und Trainerinnen sei, Netzwerke aufzubauen. Der Deutsche Hockey-Bund hat ein sogenanntes "Steuerungsteam Leistungssport" initiiert, um diesen Ansprüchen gerecht werden zu können. Dabei hat er die Vernetzung bzw. Einbindung zahlreicher Personen als hohen Zugewinn erlebt und konnte eine erhöhte Motivation und Dynamik in vielen Prozessen feststellen. Jedoch merkte er auch an, dass zusätzliche Zeit- und Personalressourcen benötigt werden, um die entstehenden Initiativen und Ideen zu kanalisieren. Abschließend erläutert er aus Sicht der Sportpraxis relevante Faktoren: Qualitativ hochwertige, funktionierende Service-Einrichtungen; Trainer-Bildung bzw. Personalentwicklung Leistungssportpersonal; Wissenschaftliche Projekte.

Dr. Andrea Horn vom BISp rückte in ihrem Vortrag die Kompetenzverbünde im Spitzensport und insbesondere die damit zusammenhängenden Rahmenbedingungen und Potentiale in den Fokus. Dabei berichtete sie unter anderem von der vom BISp initiierten Kooperationsabfrage der laufenden Projekte sowie der Evaluation der Serviceforschungsprojekte. Sie konnte von regionalen wie auch überregionalen Netzwerken berichten, die in den BISp-geförderten Projekten genutzt werden. Kritisch hob sie jedoch auch hervor, dass bspw. die Zusammenarbeit mit den OSPs noch intensiviert werden könnte.

Wie können Kooperationen aufgebaut und Netzwerke gebildet werden? Wo liegen Unterschiede, wo liegen Gemeinsamkeiten bei den unterschiedlichen Projekttypen und Projektzielen? Welche Faktoren sind förderlich, welche hinderlich bei der Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen den universitären und außeruniversitären Partnern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Interesses der weiteren Veranstaltung. Aus verschiedenen Blickwinkeln und durch einen regen Austausch sollten die Verbesserungsmöglichkeiten und Chancen erkannt werden, um diese für eine optimale wissenschaftliche Unterstützung und den Ausbau von Kompetenzverbünden der Zukunft zu nutzen. Dafür wurden die Erfahrungen aus aktuellen Verbundprojekten und Serviceforschungsprojekten des BISp genutzt und diese Erkenntnisse in Workshops und Arbeitskreisen gemeinsam diskutiert. Eine Zusammenfassung zu den dort gesammelten Anregungen und Empfehlungen für erfolgreiche Kompetenzverbünde der Zukunft finden Sie hier.

In den nächsten Stunden standen dementsprechend zunächst die Verbundprojekte "RanRücken" von Prof. Dr. Frank Mayer (Universität Potsdam), "REGman" von Prof. Dr. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) sowie "KINGS" von Prof. Dr. Urs Granacher (Universität Potsdam) im Fokus. Nach einer kurzen Vorstellung im Plenum fand in den anschließenden Workshops eine vertiefte Darstellung und Diskussion der Projekte statt. Ausführliche Informationen zu den Workshops sind hier zu finden.

Den zweiten Tag eröffnete Prof. Dr. Eckehard "Fozzy" Moritz (Innovationsmanufaktur München) mit einem inspirierenden und fesselnden Vortrag zu Netzwerken und Innovationen. Dabei stellte er den "Innovation Hub Spitzensport" vor, um effiziente und effektive Strukturen und einen ganzheitlichen Ansatz für Innovationen als neuen Beitrag für einen nachhaltigen Erfolg im deutschen Spitzensport zu schaffen. Als Erfolgsmodell präsentierte er die gemeinsam mit dem BISp initiierte Plattform Wearables im Spitzensport WISS (www.wiss-netz.de). Aber auch die Projekte PedalMedal, Präventhese und Infinergy sind aus seiner Sicht Erfolgsprojekte, in denen mit zahlreichen Partnern, insbesondere auch aus der Wirtschaft, erfolgreich zusammengearbeitet wird. Als zentrale Elemente sieht er die Kooperation (Organisation von Innovationsnetzwerken und die Zusammenführung dieser Netzwerke), Stimulation (Zusammenfassung und Aufbereitung neuer Ideen und Impulse) sowie Kommunikation (Aufbau einer Internet-Plattform für Ideen, Wissen und Projektunterstützung) an. Der Vortrag endete mit dem Appell, mit der erfolgreichen wissenschaftlichen Unterstützung beim Sport zu beginnen, alle Ressourcen zu nutzen und die Innovations-, Kommunikations- und Kooperationskultur zu stärken.

Im Anschluss standen in den Arbeitskreisen ausgewählte Serviceforschungsprojekte im Vordergrund. In vier Arbeitskreisen stellten die Projektverantwortlichen die Projekte inklusive deren Projektgenese und insbesondere die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Praxispartnern vor. Ausführliche Informationen zu den Arbeitskreisen sind hier zu finden.

In der abschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von PD Dr. Gabriele Neumann (BISp) wurden die Ergebnisse der Workshops und Arbeitskreise aufgegriffen. Neben Prof. Dr. Urs Granacher (Universität Potsdam), Prof. Dr. Fozzy Moritz (Innovationsmanufaktur München), Dr. Falk Schade (OSP Rheinland), Dr. André Sander (Bob- und Schlittenverband Deutschland) bereicherten die Trainerin Claudia Adermann und der Athlet Marvin Dogue aus dem Modernen Fünfkampf die Diskussion um interessante Einblicke aus Sicht der Sportpraxis. Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde insbesondere beleuchtet, welche Entwicklungen vollzogen und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um in Zukunft die wissenschaftliche Unterstützung des Spitzensports weiter zu optimieren. Dabei konnte unter anderem durch die ausführlichen Darstellungen von Prof. Urs Granacher, Claudia Adermann und Marvin Dogue, die in Potsdam sehr eng zusammenarbeiten, ein hervorragender Eindruck davon gewonnen werden, wie die Zusammenarbeit innerhalb eines Kompetenzverbunds gelingen kann.
Die Podiumsteilnehmer und -teilnehmerinnen waren sich darüber einig,  dass möglichst (über)regionale Netzwerke genutzt werden sollten, um eine schnelle und unmittelbare Unterstützung zu gewährleisten. Bei den Prozessen scheint eine gute Kommunikation auf Augenhöhe entscheidend. Letztlich sollte jedoch immer die Unterstützung des Athleten bzw. der Athletin im Vordergrund stehen und die Prozesse so ausgerichtet werden, dass diese optimal auf ihrem Weg unterstützt werden.

Im Vorfeld des Symposiums waren die Projektverantwortlichen aller Serviceforschungsprojekte um die Erstellung kurzer Videos zu den Projekten gebeten worden. Damit sollten möglichst viele Serviceforschungsprojekte die Möglichkeit erhalten, sich und ihre Arbeiten vorzustellen. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal für die überwältigende Resonanz auf diese neue Präsentationsform bedanken! Über 30 Videos wurden in kürzester Zeit erstellt und konnten auf dem Symposium vorgestellt werden. Die ersten Videos sind bereits auf dem YouTube-Kanal des BISp zu finden, die weiteren Videos werden noch zeitnah hochgeladen werden.

Das BISp-Symposium 2017 erhielt viel positive Resonanz und wir hoffen, dass die regen Diskussionen, Erfahrungsberichte sowie der Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander dazu führen, dass neue Netzwerke geschaffen werden und in Zukunft die Zusammenarbeit in Kompetenzverbünden noch gestärkt werden kann. Wir bedanken uns herzlich bei den Referentinnen und Referenten und allen Anwesenden für den intensiven Austausch und die hilfreichen Empfehlungen.

Zum Download:

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Datei ist nicht barrierefrei Programmheft BISp-Symposium 2017 (PDF, 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)