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Bericht zu den Workshops beim 6. BISp-Symposium

Der Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis sollte im Vordergrund des 6. BISp-Symposiums stehen. Daher wurden Workshops und Arbeitskreise als Organisationsform genutzt, um einen intensiven Austausch und lebhafte Diskussionen zu ermöglichen.

Prof. Dr. Frank Mayer von der Universität Potsdam stellte in Workshop I das Verbundprojekt "RanRücken" (Projektbeschreibung in SURF) vor:

Erstmalig – und in dieser Größenordnung wohl einzigartig in der deutschen Forschungslandschaft – vernetzt das interdisziplinäre BISp-Projekt "Entwicklung, Evaluation und Transfer einer funktionsbezogenen Diagnostik, Prävention, Therapie bei Rückenschmerz für den Spitzensport und die Gesamtgesellschaft" ("RanRücken") Expertinnen und Experten in der ganzen Bundesrepublik, um neue Wege zu finden, Rückenschmerzen vorzubeugen, zu diagnostizieren und zu behandeln. Dabei setzt das BISp auf eine gezielte Vernetzung der aktuellen Forschungsansätze aus dem allgemeinen Gesundheitswesen mit dem Know-how der Spitzensportforschung. Die daraus gewonnenen Ergebnisse sollen schließlich sowohl in das medizinische Versorgungssystem des Spitzensports als auch in das allgemeine Gesundheitswesen und somit in die Gesamtgesellschaft übertragen werden.

Foto zeigt die Gesprächsrunde Workshop I – RanRücken im Rahmen des BISp-Symposiums 2017. BISp-Symposium 2017: Gesprächsrunde Workshop I – RanRückenGesprächsrunde Workshop I – RanRücken Quelle BISp

Eine Prävalenz von 90% und eine jährliche Erstinzidenz von 5% belegen die Bedeutung von Rückenbeschwerden für Spitzensport und Allgemeinbevölkerung. Maßgeblich sind Defizite auf neuronaler, muskulärer und/oder struktureller Ebene. Darüber hinaus sind psychische und psychosoziale Einflussfaktoren evident. Körperliches Training zeigt eine hohe Effizienz für Therapie und Prävention. Allerdings bleibt derzeit unklar, welche Dosis-Wirkung zu struktureller und funktioneller Adaptation führt und letztlich eine Risiko- und Beschwerdeminderung erreicht.

Das Anliegen des Projektes mit einer Laufzeit von 2011 bis 2018 ist deshalb die Entwicklung, Evaluation und der Transfer einer funktionsbezogenen Diagnostik zur Prävention und Therapie bei Rückenschmerz für den Spitzensport und die Gesamtgesellschaft.

Konkrete Ziele beinhalten dabei:

  1. die Definition von Respondern und Non-Respondern und den zugehörigen Schwellenwerten für körperlicher Aktivität als Intervention,
  2. die Entwicklung, Validierung und Überprüfung funktionsbezogener diagnostischer Variablen für die Prognose der individuellen Adaptation,
  3. die Validierung präventiver und therapeutischer Interventionen in der Implementierung und dem Transfer in Strukturen des Spitzensports und
  4. der Transfer der Ergebnisse aus dem Spitzensport in Prävention- und Therapieansätze für die Gesamtgesellschaft.

Durch seine bundesweite Vernetzung von 14 Forschungseinrichtungen mit ihren herausragenden wissenschaftlichen Expertinnen und Experten im Themenfeld Rückenschmerz (benannt als "National Research Network for Medicine in Spine and Exercise", kurz MiSpEx), wurde in den zurückliegenden Jahren die nötige Basis geschaffen, um nun mit Nachdruck und Nachhaltigkeit die neuen Informationen und Erkenntnisse im Spitzensport und in der Allgemeinbevölkerung zu verankern. In diesem Netzwerk sind die Olympiastützpunkte, Spitzenverbände und weitere Einrichtungen des Sports wichtige Partner sowohl im Rahmen der Wissensgenerierung als auch für den Wissenstransfer in den Spitzensport. Im Workshop wurde insbesondere über weitere Vernetzungs- und Transfermöglichkeiten der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe mit den Partnern des Sports diskutiert.


Foto zeigt Teilnehmer des Workshops II REGman des BISp-Symposiums 2017 BISp-Symposium 2017 Workshop II - REGmanWorkshop II - REGman Quelle BISp

In Workshop II präsentierte Prof. Dr. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) das Großprojekt "REGman: Regenerationsmanagement im Spitzensport" (Projektbeschreibung in SURF) und gab interessante Einblicke in die Projektgenese. In seinem Vortrag und in der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde er von Robert Sens (leitender Landestrainer Landesruderverband Rheinland-Pfalz) und Dr. Anne Hecksteden (Universität des Saarlandes) unterstützt.

Ziel von REGman ist es, evidenzgestützte Regenerationsstrategien, differenziert nach belastungsspezifischen Gegebenheiten zu erarbeiten. Darauf aufbauend sollen Handlungsanweisungen zum Regenerationsmanagement für die leistungssportliche Praxis formuliert und praktikable Instrumente zu deren Umsetzung entwickelt werden.

Die konsequente Anwendungsorientierung für das Handlungsfeld "Leistungssport" führte zu folgenden charakteristischen Projektmerkmalen:

  • systematische Verbindung von grundlagenorientierten mit prozessbegleitenden Forschungsinhalten im Leistungs- und Spitzensport
  • Fokussierung auf eine möglichst hohe Praktikabilität und Ökonomie der ausgewählten und untersuchten Verfahren für die Trainings- und Wettkampfpraxis
  • Einbeziehung von Leistungs- und Spitzenathletinnen und -athleten in die Untersuchungen.

Foto zeigt Prof. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) Prof. Mark Pfeiffer (Universität Mainz)Prof. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) Quelle BISp

Die Projektgröße (vier universitäre Projektgruppen mit Projektleitung, 11 Sportverbände, zwei Olympiastützpunkte und weitere Wissenschaftspartner) und der Projektzeitraum (2 x 4 Jahre) erfordern eine intensive und konstruktive Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Dies betrifft sowohl die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis als auch die Abstimmung innerhalb beider "Statusgruppen" (u. a. zwischen den Wissenschaftsdisziplinen). Projektrelevante Aktivitäten bzw. Hintergrundinformationen (z. B. Trainingsmaßnahmen, Wettkämpfe usw.) sollten kommuniziert werden.

Auf Seiten der Sportpraxis ist eine enge Abstimmung zwischen der Verbandsebene (Funktionäre, Wissenschaftskoordinatorinnen bzw. -koordinatoren, Bundestrainerinnen bzw. -trainer) und den unmittelbar am Trainingsprozess beteiligten Personen (Heimtrainerinnen bzw. -trainer, Stützpunkttrainerinnen bzw. -trainer, Physiotherapeutinnen bzw. -therapeuten usw.) sicherzustellen. Seitens der Wissenschaft gilt es, die Projektergebnisse adressatengerecht, wenn möglich zeitnah, mit entsprechenden Handlungsempfehlungen zurückzumelden.



Die KINGS-Studie zum Krafttraining im Nachwuchsleistungssport (Projektbeschreibung in SURF) wurde in Workshop III thematisiert. Dr. Christian Puta (Universität Jena) stellte das Projekt und die Netzwerke eindrucksvoll dar und wurde dabei vom Gesamtprojektleiter Prof. Dr. Urs Granacher (Universität Potsdam) sowie von Claudia Adermann (Trainerin im Modernen Fünfkampf) und Marvin Dogue (Athlet im Modernen Fünfkampf) unterstützt. Dadurch konnte zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein intensiver Austausch mit unterschiedlichen Blickwinkeln realisiert werden.

Foto zeigt Dr. Christian Puta (Universität Jena Dr. Christian Puta (Universität JenaDr. Christian Puta (Universität Jena Quelle BISp

Foto zeigt Prof. Urs Granacher (Universität Potsdam) Prof. Urs Granacher (Universität Potsdam)Prof. Urs Granacher (Universität Potsdam) Quelle BISp

Die Relevanz des Krafttrainings im Nachwuchsleistungssport ist unbestritten, umso mehr überrascht es, dass vergleichsweise wenige Studien in diesem für die Sportpraxis wichtigen Themenfeld durchgeführt wurden.

Vor diesem Hintergrund sind die Kernziele der KINGS-Studie einerseits die Unterstützung der Leistungsentwicklung/-optimierung von Nachwuchsathleten durch Krafttraining und andererseits die Prävention und Gesundheitsförderung.

Diese Projektziele werden aus einer interdisziplinären Perspektive (Trainings-/Bewegungswissenschaft, Biomechanik, Sportmedizin, Sportpsychologie) in Kooperation mit leistungssportrelevanten außeruniversitären Partnern (Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT), Ministerien, Spitzenverbänden, Olympiastützpunkten, Landessportbünden und weiteren Einrichtungen des Sports) in drei zeitlich aufeinander aufbauenden Untersuchungsblöcken bearbeitet:

  1. Block: Erfassung von Trainings-/Wettkampfdaten (online-Datenbank);
  2. Block: Dokumentation von Trainings-/Leistungsdaten und Monitoring des Gesundheitsstatus (z. B. Immun-Score);
  3. Block: Entwicklung/Evaluation alternativer Krafttrainingsprogramme in enger Absprache mit der Sportpraxis.

Im "Brennpunkt" der Zeitschrift Leistungssport 06/2016 wurde der Projektzwischenstand für die Sportpraxis dargestellt.

Die Herausforderung in diesem angewandten Forschungsprojekt bestand darin, die Sportpraxis für eine Teilhabe am Projekt zu gewinnen und den Mehrwert durch den Erkenntnisgewinn für die Verbände sowie Trainerinnen und Trainer überzeugend herauszuarbeiten.

Darüber hinaus ist es bedeutsam, die Sportpraxispartner aktiv in das Forschungsprojekt mit einzubeziehen, um ihre Expertise zu nutzen, z. B. bei der Entwicklung von Krafttrainingsprogrammen.