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Tackling Doping in Sport 2017 – Internationale Anti-Doping Konferenz, 08.-09.03.2017, London (UK)

Datum 28. März 2017

In London (UK) fand vom 08.-09.03. die Konferenz "Tackling Doping in Sport (TDIS)" statt. Für das Bundesinstitut für Sportwissenschaft nahm Dr. Marc Wonneberger (Leiter des Fachgebiets Dopingbekämpfung) teil.

TDIS ist eine der größten unabhängigen Anti-Doping Konferenzen der Welt und bringt jährlich die führenden Experten und Vertreter bedeutender Organisationen zusammen. Zu dieser Konferenz kamen Besucher aus mehr als 45 verschiedenen Ländern zusammen. Organisiert wurde die Konferenz durch "World Sports Law Report" gemeinsam mit "UK Anti-Doping (UKAD)". Durch das Programm führte wie das Jahr zuvor Owen Gibson (Chefredakteur Sport "The Guardian").

Direkt von Beginn an standen an Tag 1 der Konferenz Themen im Vordergrund, die derzeit international intensiv diskutiert werden. Thema war unter anderem, wie es geschafft werden kann, das nötige Vertrauen in das internationale Anti-Doping-System zurückzugewinnen. Die Entwicklungen der vergangenen Monate und Jahre haben die unterschiedlichen Interessen und Vorgehensweisen bei der Handhabung von Dopingvergehen oder Verdächtigung hinsichtlich von Dopingvergehen offengelegt. Die Vorstandsvorsitzende Nicole Sapstaed von UK Anti-Doping merkte die in einigen Fällen mangelte Transparenz bei Entscheidungen an. Sie plädierte in ihrem Vortrag für ein aktives und transparentes Vorgehen aller Beteiligten im Anti-Doping Bereich. Hiermit nahm Nicole Sapstaed Bezug auf die vorherige Eröffnungsrede des WADA-Generaldirektors Olivier Niggli. Dieser sagte, dass sich seit der Veröffentlichung des "Pound-Reports" und der zwei "McLaren-Reporte" die Aktivitäten der WADA verstärkt von einer reaktiven in eine aktive Haltung geändert haben und dies zudem motivierend auf die Partner der Anti-Doping-Arbeit wirke. Weiter kündigte er die mittlerweile veröffentlichte Whistleblowing-Plattform für Sportlerinnen und Sportler an. Als Herausforderung und gleichzeitig mit besonderer Priorität versehen stellte er die künftigen Bemühungen heraus, sich noch strikter auf die Compliance und die Einhaltung des WADA-Codes der einzelnen nationalen Unterzeichner zu konzentrieren. Im Bereich der Dopingprävention führte Olivier Niggli aus, dass die WADA insbesondere einen wertebasierten Ansatz verfolgt.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Nicole Sapstaed, Olivier Niggli, Sir Philip Craven (IPC-Präsident) stellte Adam Pengilly (Mitglied des IOC und der WADA-Athletenkommission) heraus, dass das Ziel aller Beteiligten im Anti-Doping-Bereich klar sei: Es müssen mehr Betrüger aufgedeckt und bestraft werden. Das Ziel sei damit eindeutig, nur wie es es zu erreichen sei müsse weiter diskutiert werden. Er plädierte zudem für eine Möglichkeit der Bestrafung von Organisationen. Bisher treffe eine Bestrafung hauptsächlich den Sportler. Philip Craven fügte hinzu, dass zudem die Leidenschaft für den Sport wieder verstärkt in den Vordergrund gestellt werden müsse. Zudem lobte er die Arbeit der WADA. Nicole Sapstaed ging nochmals auf den vorherigen Vortrag von Olivier Niggli ein und sagte, dass eine besondere Herausforderung in der Dopingbekämpfung in der Schaffung von einheitlichen Voraussetzungen für die einzelnen nationalen Anti-Dopingagenturen liegt. In diesem Zusammenhang fügte Olivier Niggli hinzu, dass es hier unter anderen einer engeren Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden bedarf und wies darauf hin, dass er auch Möglichkeiten der UNESCO bezüglich der Einhaltung der "Konvention gegen Doping im Sport" sieht. Die Möglichkeiten der UNESCO wurden von Adam Pengilly jedoch als eher gering eingeschätzt.

Ausgewählte Beiträge des Kurznachrichtendienstes „Twitter“ in Zusammenhang mit der Podiumsdiskussion am ersten Konferenztag Ausgewählte Beiträge des Kurznachrichtendienstes „Twitter“ in Zusammenhang mit der Podiumsdiskussion am ersten KonferenztagAusgewählte Beiträge des Kurznachrichtendienstes „Twitter“ in Zusammenhang mit der Podiumsdiskussion am ersten Konferenztag Quelle (Screenshot, BISp)

Ausgewählte Beiträge des Kurznachrichtendienstes „Twitter“ in Zusammenhang mit der Podiumsdiskussion am ersten Konferenztag Ausgewählte Beiträge des Kurznachrichtendienstes „Twitter“ in Zusammenhang mit der Podiumsdiskussion am ersten KonferenztagAusgewählte Beiträge des Kurznachrichtendienstes „Twitter“ in Zusammenhang mit der Podiumsdiskussion am ersten Konferenztag Quelle (Screenshot, BISp)

Im Rahmen der Nachmittagsveranstaltung wurde unter anderem das Thema "TUE" (Therapeutic Use Exemptions) von Dr. Michael Turner (Mitglied der "WADA-TUE-Expert Group" und Direktor der "International Concussion and Head Injury Research Foundation") und von Saskia Clark (Goldmedaillengewinnerin im Segeln, Rio de Janeiro 2016) behandelt. Seit der Veröffentlichung von vertraulichen TUE-Dokumenten durch die Hackergruppe "Fancy Bears" wird dieses Thema höchst kontrovers diskutiert. Michael Turner wies daraufhin, dass die WADA nur die TUE’s kontrollieren könne, die in die Datenbank der WADA eingetragen werden. Dies ist aber nur in ca. 10-20 % der Fall, da nicht alle Verbände und Länder die Datenbank der WADA nutzen. Saskia Clark stellte aus Sportlersicht heraus, dass die TUE’s wichtig sind, um jedem die Teilnahme am Sport zu ermöglichen.

Nachfolgend referierte Dr. Kelsey Erickson über die Möglichkeiten des "Whistleblowings". Hierbei ging sie insbesondere auf den moralischen Konflikt einer Sportlerin bzw. eines Sportlers ein, der einerseits wisse, dass Doping dem fairen Wettkampf widerspricht, andererseits aber auch keinen Trainings- oder Sportkameraden beschuldigen möchte. Im Zuge ihrer Forschungen zu dieser Thematik startete sie mit Kollegen ein neues Projekt mit dem Namen "reACT" (www.leedsbeckett.ac.uk/react), welches sich dieses moralischen Dilemmas annimmt. Weiter regte sie an, den Begriff "Whistleblowing" zu überdenken, da er häufig mit einer negativen Konnotation assoziiert wird.

Der zweite Konferenztag begann mit einem Interview von Toni Minichiello (Trainer von Jessica Ennis-Hill, u.a. Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin im Mehrkampf). Toni Minichiello gab Auskunft über seine Sichtweise als Trainer zu den derzeitigen Entwicklungen im Bereich des Dopings/Anti-Dopings. Er plädierte für eine umfassende und qualitative Ausbildung der Trainer im Leistungssport und dies bestenfalls nach einheitlichen Kriterien. Nicht alle Trainerinnen und Trainer in anderen Nationen hätten immer das nötige sportwissenschaftliche Wissen, um Leistung auf legalem Wege zu verbessern. Er sieht den Athleten im Zentrum, durch den Trainer geführt und von der Sportwissenschaft unterstützt.

Der Journalist Hajo Seppelt (ARD) stellte heraus, dass er keinen wirklichen Wandel in der Haltung Russlands hinsichtlich des aufgedeckten staatlich unterstützten Dopings erkennen kann. Die Beweislage sei eindeutig und dennoch würden fragwürdige Personen in offizielle Ämter des russischen Anti-Dopingsystems platziert. Weiter kritisierte er das IOC für seine Aussagen hinsichtlich des erfolgreichen Anti-Dopingprogramms bei den diesjährigen Olympischen Spielen, während ein unabhängiger WADA-Report ein anderes Licht zeichne.

Anschließend teilte Dr. Audrey Kinahan (Vorsitzende der WADA-Expertengruppe "Prohibited list") mit, dass Alkohol mit Inkrafttreten der 2018er-Verbotsliste gestrichen und derzeit diskutiert wird, ob dies mit der Substanzgruppe "Narkotika" ebenfalls geschehen solle. Zudem stellte sie aus fachlicher Sicht eindrücklich dar, wie schwierig es ist, solch eine Liste zu erstellen und Grenzwerte festzulegen.

Dr. Lars Mortsiefer (NADA-Vorstand) zeichnete in seinem Vortrag die Entstehung des deutschen Anti-Dopinggesetzes nach und ging insbesondere auch auf dessen Besonderheiten ein. Hier stellte er unter anderem heraus, dass das neu geschaffene Rechtsgut "Integrität des Sports" nun auch erstmalig Selbstdoping der Sportlerin, des Sportlers unter das Strafrecht stellt. In den Nachmittagsvorträgen wurden dann die Herausforderungen der kenianischen Anti-Doping-Arbeit thematisiert.

Wie auch im vergangenen Jahr ermöglichte die Veranstaltung in den Pausen weitergehende Gespräche mit den anwesenden Experten. So bestand für alle Anwesenden die Möglichkeit mit Vertretern von Sportverbänden, Regierungen, Vertretern von Anti-Doping Organisationen, Rechtsanwälten, Athleten und Wissenschaftlern, ect. in einen Austausch zu treten und sich auf höchstem inhaltlichen Niveau und in einem internationalen Kontext auszutauschen.


Die Vorstandsvorsitzende von UK Anti-Doping bei ihrer Rede Die Vorstandsvorsitzende von UK Anti-Doping bei ihrer RedeDie Vorstandsvorsitzende von UK Anti-Doping bei ihrer Rede (v.l.n.r.: Nicole Sapstaed, UK Anti-Doping; Olivier Niggli, Generaldirektor der WADA; Adam Pengilly (verdeckt im Bild), Mitglied des IOS und der WADA Athletenkommission; Sir Philip Craven, Präsident des IPC) Quelle BISp


Dr. Lars Mortsiefer von der NADA bei seinem Vortrag zum deutschen Anti-Doping-Gesetz (v.l.n.r.: Dr. Lars Mortsiefer, NADA-Vorstand; Owen Gibson, The Guardian; Hilary Findlay, Brock University) Dr. Lars Mortsiefer von der NADA bei seinem Vortrag zum deutschen Anti-Doping-Gesetz (v.l.n.r.: Dr. Lars Mortsiefer, NADA-Vorstand; Owen Gibson, The Guardian; Hilary Findlay, Brock University)Dr. Lars Mortsiefer von der NADA bei seinem Vortrag zum deutschen Anti-Doping-Gesetz (v.l.n.r.: Dr. Lars Mortsiefer, NADA-Vorstand; Owen Gibson, The Guardian; Hilary Findlay, Brock University) Quelle BISp