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Kompetenzverbünde im Spitzensport am Beispiel von BISp-Projekten 2016

Datum 30. Januar 2017

Unbestritten bilden Kooperationsnetzwerke zwischen Wissenschaft und Praxis die beste Grundlage für eine optimale wissenschaftliche Unterstützung des Spitzen- und Nachwuchsleistungssports. Die wissenschaftliche Unterstützung soll hierfür an den konkreten Bedarfen der Trainer/innen und Athleten bzw. Athletinnen ansetzen und regelmäßig sowie kontinuierlich verfügbar sein. Unter diesem übergeordnetem Servicegedanken für den Sport sollten Forschung, Beratung und Service sowie Anwendungsreflexion eng verzahnt sein.

Zur umfassenden wissenschaftlichen Unterstützung fördert das BISp gemäß BISp-Schwerpunktprogramm die gesamte Breite der für den Spitzen- und Nachwuchsleistungssport relevanten wissenschaftlichen Fragestellungen. Darunter fallen u.a. athleten- und trainerspezifische Problembereiche der angewandten Trainings- und Wettkampfsteuerung, gesundheitsrelevante, gesellschaftliche und politische Themen sowie Themen der Sportinfrastruktur. Für alle BISp-geförderten Projekte gilt, dass die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen aktive Kooperationen mit problemrelevanten Netzwerken pflegen sollten (vgl. Abb. 1). Für die anwendungsbezogenen Projekte ist die Interaktion zwischen Forschung und Entwicklung (Universitäten), den Adressaten in der Sportpraxis (v.a. Spitzen- und Landesfachverbände, Eliteschulen des Sports), sowie den Wissenschaftsanwendern im Servicebereich (IAT/ FES, OSP, TA, FA), ideale Voraussetzung für eine erfolgreiche und nachhaltige Projektarbeit. Darüber hinaus sollten anlassbezogen weitere Kooperationen im und außerhalb des WVL – oder je nach Anwendungsbezug auch andere Kooperationsnetzwerke - z.B. mit sonstigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Wirtschaftspartnern, Stiftungen für den Sport und Ministerien, initiiert werden, sofern diese dem Projekt- und Nachhaltigkeitsziel zuträglich sind.


Funktionsnetzwerke Funktionsnetzwerke BISp-geförderter ProjekteAbb. 1: Kooperationsnetzwerke BISp-geförderter Projekte mit Anwendungsbezug in der Praxis


Der tatsächlichen Ausgestaltung dieser Kooperationen ist das BISp in einer eigenen Umfrage nachgegangen. Welche formalen und informellen Kooperationen existieren innerhalb der Projekte? Wie sind die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen der BISp-geförderten Projekte mit der Praxis und den Anwendern verzahnt? Gibt es Auffälligkeiten der Serviceforschungsprojekte, die erstmalig 2016 zur Deckung des unmittelbaren Forschungsbedarfs der Spitzenverbände initiiert wurden, im Vergleich zu den sonstigen Projekten mit unterschiedlichem Anwendungsbezug?
Diese Fragen sollten durch die differenzierte Datei ist nicht barrierefrei Kooperationsabfrage (PDF, 158KB, Datei ist nicht barrierefrei) bei den Projektverantwortlichen zu den laufenden BISp-Projekten 2016 (N=119) beantwortet werden. Mit 87 % (N=102) zurückgemeldeter Projekte liegt der Rücklauf erfreulich hoch. Sowohl zu den Serviceforschungsprojekten (n=44) als auch zu den Sonstigen Projekten (n=58) lassen sich somit aussagekräftige Ergebnisse darstellen.


Wer kooperiert mit wem?

Die interaktive Karte in Abbildung 2 gibt einen Überblick über die Standorte und die Verteilung der universitären Projektgruppen, die der Umfrage gefolgt sind. Die Informationen über die formalen und informellen Kooperationen sind durch Anklicken der Standortmarkierungen abrufbar. Zudem können weitere Informationen zum Projekt über den Link zur Datenbank SURF recherchiert werden.


Abb. 2: Standorte der zurückgemeldeten BISp-Projekte



Hoher Vernetzungsgrad BISp-geförderter Projekte

Neben den Kooperationen mit Spitzenverbänden und OSPs sind die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen innerhalb der BISp-Projekte mit zahlreichen weiteren Einrichtungen vernetzt. Neben universitären Partnern, dem IAT und dem FES gibt es vielfältige Kooperationen mit Wirtschaftspartnern und sonstigen Einrichtungen des Sports (z.B. Eliteschulen) (vgl. Abb. 3). Entsprechend der inhaltlichen Ausrichtung der Projekte wird teilweise mit anderen oder weiteren Kooperationspartnern zusammengearbeitet. So scheinen z.B. bei den Sonstigen Projekten öfter weitere universitäre Partner für den wissenschaftlichen Diskurs hinzugezogen zu werden als bei den Serviceforschungsprojekten. Andererseits sind hier OSPs häufiger Partner als bei anderen BISp-Projekten.



Hohe Praxisnähe durch starke Präsenz der Spitzenverbände (inkl. DBS) in den BISp-Projekten

Bei einem Großteil der BISp-Projekte sind Spitzenverbände als Kooperationspartner involviert (vgl. Abb. 3). Nahezu alle Serviceforschungsprojekte (98 %) und fast 4/5 der Sonstigen BISp-Projekte (79 %) kooperieren mit mindestens einem Spitzenverband.


Enge Verzahnung der BISp-Projekte mit den Olympiastützpunkten

Die OSPs sind eng verzahnt mit den BISp-Projekten: Knapp die Hälfte der Serviceforschungsprojekte (48 %) und knapp ein Drittel der Sonstigen BISp-Projekte (29 %) arbeiten mit mindestens einem OSP zusammen (vgl. Abb. 3). Insbesondere der OSP Bayern und der OSP Berlin treten aktuell als häufige Kooperationspartner auf (vgl. Abb. 4).


Zahlreiche regionale und überregionale Kooperationsnetzwerke

Im Rahmen der laufenden BISp-Projekte 2016 bestehen vielfältige Kooperationen mit den unterschiedlichen Institutionen des Sports. Um eine optimale Unterstützung des Spitzensports zu ermöglichen, wurden Kooperationsverbünde auf regionaler wie auch auf überregionaler Ebene gebildet (vgl. Abb. 5).

Betrachtet man die Netzwerke in Hinblick auf regionale und überregionale Kooperationen, werden Unterschiede zwischen den Kooperationspartnern deutlich. Das Verhältnis von BISp-geförderten Projekten mit OSP-Einbindung auf regionaler (27%, n=28) und auf überregionaler (24%, n=24) Ebene ist nahezu ausgeglichen. Die Sonstigen Serviceeinrichtungen (IAT, FES, TA, FA) sind fast ausschließlich in überregionale (23%, n=23) und nur vereinzelt in regionale Projekte (4%, n=4) eingebunden. In 34% (n=15) der Serviceforschungsprojekte und in 22% (n=13) der Sonstigen Projekte sind OSPs als regionale Kooperationspartner eingebunden. Dem gegenüber sind die sonstigen Serviceeinrichtungen in keinem Serviceforschungsprojekt und in 7% (n=4) der Sonstigen Projekte als regionale Partner beteiligt. Als weitere regionale Partner werden die Landesfachverbände (26%, n=27) und die sonstigen Institutionen des Sports (18%, n=18), wie Eliteschulen und Sportbetonte Schulen oder leistungssporttreibenden Vereine, benannt (Zahlen nicht in Abb. 5 enthalten).


Fazit

Die durchgeführte Kooperationsabfrage zeigt, dass für die 2016 laufenden BISp-geförderten Projekte vielfältige Kooperationen im und außerhalb des Sports bestehen. Die universitären Einrichtungen sind innerhalb der anwendungsorientierten Projekte mit den Einrichtungen und „Adressaten“ im Sportsystem gut vernetzt. Eine Kooperation mit einem oder mehreren Spitzenverbänden ist in fast allen BISp-geförderten Projekten in der Praxis gegeben. Dabei profitieren insbesondere die Serviceforschungsprojekte mit mehr als einem Drittel von einer regionalen Zusammenarbeit mit den örtlichen OSPs. Die Kooperationsnetzwerke zwischen Wissenschaft und Praxis bilden damit eine gute Grundlage, um die wissenschaftliche Unterstützung des Spitzen- und Nachwuchsleistungssports mit hoher Praxisrelevanz und unmittelbarem Erkenntnistransfer zu gewährleisten.

Den universitären Einrichtungen kommt zusammen mit den OSPs als Wissenschaftspartner des Spitzensports eine besondere Rolle in der regionalen Unterstützung zu. Als wissenschaftliches Kompetenzteam „vor Ort“ erlauben sie einen direkten Austausch zwischen international konkurrenzfähiger, forschender Wissenschaft, anwendender Wissenschaft im Praxisumfeld und den Trainern und Athleten in den Verbänden und sonstigen Eirichtungen der Leistungssportpraxis selbst. Eine ganzheitliche, an dem Bedarf der Praxis orientierte und nachhaltige wissenschaftliche Unterstützung für die bundesweit verteilten Leistungssportstandorte mit Orientierung an den einzelnen Trainer-Athleten-Teams wird somit möglich.

In diesem Sinne sollte zukünftig insbesondere die Zusammenarbeit der universitären Partner mit Serviceeinrichtungen, wie in regionaler Sicht den OSPs und überregional z.B. mit dem IAT und FES, in Kompetenzverbünden für und mit den Praxisvertretern in den Verbänden und sonstigen Leistungssporteinrichtungen noch weiter gestärkt werden.

An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei der Abfrage um projektspezifische Angaben zu laufenden BISp-Projekte 2016 handelt. Generelle Aussagen zu universitären, institutsbezogenen Kooperationen können auf Basis der vorliegenden Ergebnisse nicht getroffen werden. Ebenso sind auf der Basis der durchgeführten Befragung keine Aussagen über die Qualität und Intensität der dargestellten Kooperationen möglich. Diese sind in zukünftigen Analysen weiter zu untersuchen.


Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

  • Die BISp-geförderten Projekte 2016 zeichnet eine hohe Praxisnähe aus.
  • Fast alle Serviceforschungsprojekte (98 %) und ein Großteil der Sonstigen BISp-geförderten Projekte (79 %) kooperieren mit mindestens einem olympischen Spitzenverband bzw. einer paralympischen Sportart.
  • Bei den BISp-Projekten bestehen vielfältige Kooperationen mit den unterschiedlichen Serviceeinrichtungen des Sports (OSP, IAT/FES, TA, FA) als auch mit Partnern aus dem erweiterten Kooperationsnetz (z.B. sonstige Forschungs- und Entwicklungseinrichten, Wirtschaftspartner, Stiftungen für den Sport, Ministerien). Gleichzeitig findet ein enger Austausch mit anderen universitären Partnern statt.
  • Bei den laufenden BISp-Projekten 2016 haben sich Kooperationsnetzwerke auf regionaler wie auch auf überregionaler Ebene gebildet. Insbesondere den OSPs kommt eine besondere Rolle für die Bildung regionaler Kompetenzverbünde zu.

Weitere Informationen zu den Serviceforschungsprojekten erhalten Sie hier: BISp Serviceforschung - facts and figures

Detaillierte Analysen zu der Kooperationsabfrage werden in der nächsten Ausgabe des BISp-Reports 2016/17 erscheinen.